Zu den frühen urkundlichen Erwähnungen
 von Michelstadt im Odenwald
 

 

Mit diesem zweiteiligen Aufsatz soll auf einige von der Ge­schichtsschreibung des Odenwaldraumes bisher kaum beachtete neuere Thesen der historischen Forschung aufmerksam gemacht werden, die insbesondere die Frühgeschichte von Michelstadt im Odenwald be­treffen, dabei jedoch auch Themen berühren, die über diesen lokalen Rahmen hinaus von Bedeutung sind.

 

 

Gab es in Michelstadt einen "Einhardsbau von 821"?

 

Bezüglich der frühen urkundlichen Erwähnungen von Michelstadt ver­weist die einschlägige Literatur auf folgende Überlieferungen:

 

1. die auf 741 datierte Nennung eines Ortes "Michilstat" in der (jüngeren) Vita des Würzburger Bischofs Burkhard[1];

 

2. die Schenkung von Michelstadt samt zugehöriger Mark (sowie Ober- und Untermühlheim, dem späteren Seligenstadt) durch Kai­ser Ludwig dem Frommen 815 an Einhard und seine Gattin Imma[2];

 

3. die Übereignung von Michelstadt samt Zugehörungen durch Einhard und Imma 819 an die Reichsabtei Lorsch[3];

 

4. die in den Fuldaer Annalen zu 821 vermerkte Einweihung der Kir­che zu - so die bisherige Lesart - "Michilinstat in Odton­wald"[4].

 

  

Gehen wir zuerst auf letztere Nachricht ein. Da die kaiserliche Schenkungsurkunde von 815 eine in Michelstadt bereits vorhandene kleine Holzkirche (basilica lignea modica constructa) erwähnt, hat man in Verbindung mit zeitlich passend erscheinenden archäologi­schen Befunden die Schlußfolgerung gezogen, daß die für 821 be­richtete Kirchenweihe einen steinernen Neubau an Stelle der alten Holzkirche betrifft[5]. Davon ausgehend, daß als Initiator dieser Baumaßnahme der Karlsbiograph Einhard anzusehen ist, entwickelte sich die Bezeichnung "Einhardsbau von 821" zu einem feststehenden Begriff in der Michelstädter Geschichtsschreibung[6].

 

Kopfzerbrechen bereitete lediglich der Umstand, daß die Kirchen­weihe von 821 in den Fuldaer Annalen vermerkt ist, lassen sich doch später nie irgendwelche fuldische Rechte in Michelstadt bzw. an seiner Kirche nachweisen. Elisabeth Kleberger dachte an eine besitzgeschichtliche Parallele zu Großumstadt, nämlich eine frü­here Übereignung Michelstadts an das Kloster Fulda, fand jedoch keine überzeugende Erklärung dafür, warum dieser Besitz der Abtei wieder verlorengegangen ist[7]. Barbara Demandt glaubt nicht an fuldische Rechte an der Michelstädter Kirche oder gar der Mark Mi­chelstadt, sondern sieht die Erklärung für den Eintrag von 821 in den Fuldaer Annalen in der Person Einhards, der in seiner Zeit eine Persönlichkeit des öffentlichen Interesses gewesen sei, so daß ein von ihm errichteter, sicherlich nicht bescheidener Kir­chenbau durchaus in Fulda vermerkt worden sein kann[8].

 

Nun ist bereits 1982 - im Odenwaldraum offenbar bisher unbeachtet - Eckhard Freise im Rahmen einer Untersuchung zum Geburtsjahr des berühmten Fuldaer Abtes und Mainzer Erzbischofs Hrabanus Maurus, eines Zeitgenossen Einhards, zu dem Ergebnis gelangt, daß der fragliche, im Original sehr schlecht (nur in einigen Buchstaben­gruppen deutlicher) zu entziffernde Eintrag in den Fuldaer Annalen sicher nicht "dedicatio ecclesie Michilinstat in Odtonwald" sondern sehr wahrscheinlich "dedicatio ecclesiae sancti Michaelis <?> archan­geli in cimiterio octonis <?> columnis" lautet und damit auf die St. Michaelskirche in Fulda (neben dem Dom) zu beziehen ist[9], für deren (damit in vollem Einklang stehende) Geschichte er auch be­reits von anderer Seite in Anspruch genommen wird[10].

 

Damit werden nicht nur jegliche Diskussionen um evtl. besitzrechtliche Beziehungen zwischen Fulda und Michelstadt gegenstandslos, auch von einer 821 erfolgten Kirchenweihe in Michelstadt kann nun nicht mehr die Rede sein. Aufgrund dieser veränderten Quellenlage wird auch der Be­griff "Einhardsbau" in bezug auf eine Vorgängerin der Michelstäd­ter Stadtpfarrkirche zumindest fragwürdig. Um ihn beibehalten zu können, müßte, da die schriftliche Überlieferung versagt, die ar­chäologische Forschung den Nachweis erbringen, daß im Zeitraum zwischen 815 (Schenkung an Einhard) und 840 (Einhards Tod) im Raum Michelstadt außer der Steinbacher Basilika ein weiterer Kir­chen(neu)bau erfolgt ist. Dazu reichen jedoch die 1967 im Funda­mentbereich der Stadtkirche getätigten Befunde nicht aus[11].

 

Hinzu kommt, daß der für einen zweiten Kirchenbau Einhards in Mi­chelstadt in Frage kommende Zeitraum noch weiter einzuengen ist. So scheiden mit Sicherheit die Jahre nach 827 aus, in denen Ein­hards vorrangiges Interesse und seine - offenbar dafür un­zureichenden - finanziellen Mittel der Errichtung der großen, heute noch vorhandenen Basilika und weiterer Gebäude in Seligen­stadt galten, wohin er Anfang 828 die Reliquien der Heiligen Mar­cellinus und Petrus überführt hatte[12].

 

Für die Jahre vor 828 ist eine Parallele zwischen Seligenstadt (damals noch Obermühlheim genannt) und Michelstadt (Steinbach) zu erkennen. Am ersteren Ort ist es eine "nova basilica", die Ein­hard zunächst zur Aufnahme der Heiligengebeine diente und deren Errichtung ihm zugeschrieben wird, somit in die Jahre 815 - 827 zu datieren ist[13]. In die gleiche Zeit fällt die Erbauung der bekann­ten Einhardsbasilika in Michelstadt-Steinbach. Einhard schreibt, daß er dort seinem Vermögen und seinen Einnahmen entsprechend nicht nur Häuser und Hütten zum Bewohnen, sondern auch eine zur Abhaltung des Gottesdienstes geeignete prächtige Kirche von nicht unrühmlicher Art errichtet hat[14]. Auch diese Angaben über sein Wirken im Raum Michelstadt enthalten keinen Hinweis auf einen wei­teren von ihm initiierten Kirchenbau. Josef Fleckenstein vertritt die Auffassung, daß Einhard da­mals auf den Bau der Steinbacher Basilika alle Zeit und Kraft verwandte, die ihm der Hofdienst ließ[15].

 

Nicht übergehen wollen wir die Tatsache, daß in Einhards Schen­kungsurkunde von 819 von Basiliken, also von mindestens zwei Kir­chen, im Raum Michelstadt die Rede ist[16]. Falls die Pluralform nicht lediglich formelhaft ist, wie man annehmen möchte, so eröffnen sich mehrere Interpretationsmög­lichkeiten. Geht man, wofür jedoch jegliches Indiz fehlt, von drei Kirchengebäuden aus, so könnte durchaus von einem weiteren "Einhardsbau" in Michelstadt gesprochen werden, doch wäre dieser dann nicht (bzw. nicht nur) am Standort der alten Holzkirche zu suchen.

 

Eine ähnliche Konstellation ergibt sich, wenn man annimmt, daß die Steinbacher Basilika 819 noch nicht existiert hat. Doch auch hier erheben sich Bedenken. Zum einen beanspruchte der Bau einer Kir­che, vor allem wenn sie, wie Einhard bestimmt nicht übertreibend formuliert, prächtig und von nicht unrühmlicher Art war, einen längeren Zeitraum. Zum anderen hatte Einhard Michelstadt als Al­tersruhesitz, die Basilika als Grablege vorgesehen, so daß mit ei­niger Sicherheit davon ausgegangen werden kann, daß er mit dem Bau von Wohnhäusern und Basilika bald nach 815 begonnen hat. Darauf deutet auch der Umstand, daß sich 819 die Zahl der Leibeigenen in Michelstadt ge­genüber 815 schon mehr als verdoppelt hatte[17].

 

Schließlich ist auch die rechtliche Absicht zu beachten, die Ein­hard mit seiner Schenkung an Lorsch verfolgte. Sein Besitz in Mi­chelstadt sollte erst nach seinem bzw. seiner Gattin Tod (und so­fern kein Sohn als Erbe vorhanden) in die Verfügungsgewalt der Abtei übergehen. Allein schon aus diesem Grunde mußte die von Ein­hard auch sonst sehr umsichtig und vorausschauend formulierte Schenkungsurkunde[18] zwangsläufig und unabhängig vom Planungs- oder Baustadium[19] seiner Steinbacher Basilika von Kirchen im Plu­ral sprechen.

 

Es gibt somit auch für den Zeitraum zwischen 815 und 827, in dem Einhard sowohl die Basilika in Michelstadt-Steinbach als auch eine neue Kirche in Obermühlheim-Seligenstadt errichten ließ, keinerlei sich aus der schriftlichen Überlieferung ergebenden Anhaltspunkte für einen weiteren von ihm initiierten Kirchenbau im Raum Michel­stadt.

 

 

Wollte der heilige Burkhard nach Michelstadt im Odenwald?

 

Bezüglich der frühesten urkundlichen Nennung von Michelstadt im Odenwald wird - bisher recht vorbehaltlos - die Vita sancti Burk­hardi Episcopi Wirziburgensis (II), die (jüngere) Lebensbeschrei­bung des heiligen Burkhard, des ersten Bischofs von Würzburg, in Anspruch genommen[20]. Sie berichtet, daß der Hausmeier Karlmann die villa "Michilstat" dem Bischof zu eigen gegeben und daß Burkhard sie dann seinem Bistum übertragen habe[21]. An anderer Stelle er­wähnt die Vita[22], daß Burkhard die Absicht gehabt habe, sich nach "Michilstat" (hier als viculus bezeichnet) zu begeben, um dort ein Kloster zu gründen und sein Leben zu beschließen. Der fromme Mann sei jedoch, bevor er seinen Plan habe ausführen können, in Homburg am Main (wahrscheinlich am 2. Februar 754[23]) gestorben. Dorthin habe er sich, nach Niederlegung seines Bischofsamtes, in Beglei­tung von sechs Mönchen mit dem Schiff begeben.

 

Aus "Odenwälder Sicht" hatte Burkhard, als er in Würzburg auf­brach, den Ort Michelstadt im Mümlingtal zum direkten Ziel. Nach Elisabeth Kleberger starb Burkhard "auf dem Wege nach Michel­stadt![24]. Ausführlicher geht Wolfram Becher darauf ein. Er schreibt: "Als er (Burkhard) sich aber zu diesem Zweck (gemeint ist die Klostergründung) auf die Reise nach Michelstadt zu Schiff den Main abwärts begab, erkrankte er so schwer, daß seine Gefähr­ten ihn gerade noch bei Homburg am Main in eine Grotte des Fels­hangs tragen konnten. Dort starb er, es muß etwa das Jahr 753 ge­wesen sein."[25]

 

Eine solche Interpretation läßt jedoch die Burkhardsvita nicht zu. Ihr zufolge brach nämlich Burkhard in Würzburg auf, fuhr mit dem Schiff flußabwärts zum Kastell Homburg und verweilte dort, solange er noch lebte, mit den vorgenannten Mitbrüdern, indem er sich Be­trachtungen, Nachtwachen, Fasten und Gebeten hingab. Erst kurze Zeit nach seiner Ankunft in Homburg sei Burkhard schwer erkrankt und durch seinen Tod davon abgehalten worden, sich nach "Michilstat" zu begeben und dort ein Kloster zu gründen[26].

 

Johann A. Kraus, um die Mitte des vorigen Jahrhunderts Pfarrer in Neustadt am Main, war überzeugt, dieses "Michilstat" in Einsiedel im Spessart gefunden zu haben[27]. Er führte dafür eine Reihe von Gründen an, insbesondere den dortigen Flurnamen "Michelsgarten", der angeblich, wie er später vorgab, auch in der Version "Michelstatt" überliefert sei, wofür sich jedoch kein Beleg finden läßt[28]. Die historische Forschung hat sich dieser These auch aus weiteren Gründen nicht an­geschlossen[29].

 

In jüngerer Zeit hat sich Heinrich Wagner im Rahmen von Untersu­chungen zur Frühzeit des Bistums Würzburg mit der Lokalisierung von "Michilstat" beschäftigt. Er vertritt die Auffassung, daß eine Identifizierung von "Michilstat" mit dem gleichnamigen Ort im Odenwald überhaupt nicht in Frage kommt. Burkhard sei deshalb in Homburg an Land gegangen, weil er dort sein Ziel erreicht gehabt habe; der viculus "Michilstat" müsse ganz in der Nähe von Homburg gelegen haben, sonst hätte für Burkhard kein Grund bestanden, sich dort aufzuhalten, denn seine Erkrankung könne nicht der Anlaß ge­wesen sein, da sie erst später eingetreten sei.

 

Als möglichen Standort des (wüstgewordenen) Weilers "Michilstat" bzw. dort geplanten Klosters hat Wagner die Homburger Flurabtei­lung "In den Mählen" (auch "Mehlen") in Verdacht, deren ursprüng­liche Namensform seiner Meinung nach "In der Michilin[stat]" ge­lautet haben könnte[30].

 

Daß eine frühe Siedlung untergeht, ohne deutlichere Spuren in Ar­chivalien und im Gelände zu hinterlassen, ist nichts Außergewöhn­liches. Von daher gesehen ist es nicht abwegig, "Michilstat" als Wüstung in der Nähe von Homburg zu suchen, zumal dieses ebenfalls im Besitz von Burkhard (und später von Würzburg) war und weitere Zusammenhänge zwischen den beiden Orten bestanden haben könnten[31].

 

Ein weiteres Argument gegen eine Gleichsetzung von "Michilstat" mit Michelstadt im Odenwald hat bereits Kraus darin gesehen, daß letzteres weder in politischer noch kirchlicher Hinsicht mit dem Bistum Würzburg in Verbindung gestanden habe und daß es schwer einsichtig sei, warum Burkhard ein Kloster außerhalb seines Bistums hätte errichten wollen[32].

 

Haben also die Odenwälder, als sie 1991 mit großem Aufwand "1250 Jahre Michelstadt" feierten, dieses Jubiläum zu Unrecht began­gen[33]?

 

Die mit Michelstadt im Odenwald befaßte Geschichtsschreibung hat sich bisher die Frage, ob mit dem "Michilstat" der Burkhardsvita möglicherweise ein anderes Michelstadt gemeint ist, überhaupt nicht gestellt. Nun sind aber die obengenannten, insbesondere die jüngst von Wagner vorgebrachten Argumente zu gewichtig, als daß sie einfach igno­riert werden könnten. Lassen sie sich entkräften oder muß die Mi­chelstädter Frühgeschichte korrigiert werden?

 

Zählen wir die Fakten auf, die für Michelstadt im Odenwald spre­chen. Da ist zunächst die - noch immer gültige - Tatsache, daß der Name Michelstadt bisher für keine andere frühmittelalterliche Siedlung des fraglichen Raumes nachweisbar ist. Desweiteren ist es der Name des Würzburger Bistumspatrons Kilian, der in Michelstadt, sogar auf zweifache Art, begegnet. So gehört St. Kilian (neben St. Michael) zu den Heiligen, denen nach einer Inschrift von 1507 der Turm der Stadtpfarrkirche geweiht worden ist[34]. Und "Kiliansfloß" heißt - sicher schon von alters her - die starke Wasserader, die am Fuße des Michelstädter Kirchenhügels zutage tritt[35]. Zwar feh­len ältere Belege für die Verwendung des Namens Kilian in Michelstadt, da jedoch von jüngeren Beziehungen zu Würzburg, die das Kilianspatro­zinium erklären könnten, nichts bekannt ist, läßt sich der Name des Frankenapostels durchaus als Indiz für frühe Verbindungen mit dem mainfränkischen Bistum in Anspruch nehmen[36].

 

Berücksichtigt man noch, daß Michelstadt von Einhard mit Bedacht als Alterswohnsitz ausgewählt worden ist und die von ihm errich­tete schmuckvolle Basilika nicht nur als Grablege, sondern wohl auch als Mittelpunkt einer Klostergründung geplant war[37], so erscheint es gar nicht so unwahrscheinlich, daß es identisch mit jenem "Michilstat" ist, bei dem der heilige Burkhard Gleiches vorgehabt hatte.

 

Eine weitere Parallele besteht darin, daß sowohl Burkhard als auch Einhard ihr Michelstadt aus königlicher Hand erhalten haben. Da Homburg, obwohl es aus Adelshand an Burkhard gelangt war, wahr­scheinlich in die Verfügungsgewalt des karolingischen Herrscher­hauses überging[38], ist dies erst recht für das Königsgut "Michilstat" anzunehmen[39], zumal es dort zu keiner (die Bindung an Würzburg verstärkenden) Klostergründung durch Burkhard gekommen war.

 

Auch die Lage Michelstadts außerhalb der Würzburger Diözese spricht keineswegs gegen eine Gleichsetzung mit Burkhards Michil­stat. Warum soll Würzburg nicht in einem noch weitgehend unvergab­ten Nachbargebiet[40] Einfluß zu gewinnen versucht haben, wo durch Schenkungen und Rodungstätigkeit ein größerer Besitzzuwachs zu er­warten war, besonders dann, wenn die Odenwaldabtei Amorbach damals noch nicht bestand, wie Heinrich Wagner an anderer Stelle begrün­det hat[41]. Hinzu kommt, daß Burkhards Bistum bereits im nahen Groß-Umstadt Fuß gefaßt hatte. Dort war ihm durch Karlmann die Kirche übertragen worden, deren Peterspatrozinium bezeichnender­weise in St. Kilian geändert wurde[42]. Auch Zehntrechte kamen hier - wahrscheinlich erst durch Pippin - an Würzburg[43].

 

Abgesehen von der Möglichkeit, daß Burkhard nicht in Homburg, wie seine Vita angibt, sondern in Würzburg gestorben ist, wie Alfred Wendehorst vermutet[44], läßt sich auch Burkhards Verweilen in Hom­burg auf eine Art begründen, die durchaus mit Michelstadt im Oden­wald als Endziel von Burkhards Reise in Einklang steht. Da Burk­hard im Februar starb, und zwar nach kurzer, schwerer Krankheit, die bald nach seiner Ankunft in Homburg eingetreten war, so fällt sein Aufenthalt dort genau in die Wintermonate. Was spricht gegen die Schlußfolgerung, daß Burkhard im klimatisch günstiger als Mi­chelstadt gelegenen Homburg am Main lediglich das Ende der kalten Jahreszeit abwarten wollte, um dann im Frühjahr in den Odenwald weiterzureisen - bis nahe Michelstadt bot sich eine Weiterfahrt mit dem Schiff an -, um dort mit der Errichtung des geplanten Klosters zu beginnen? Denkbar wäre auch, daß Burkhard in Homburg, das ihm ja ebenfalls geschenkt worden war, noch irgendwelche Verfügungen treffen wollte; sie müssen mit seinem Klostergründungsvorhaben in Michelstadt nicht unbedingt zu tun haben.

 

Trotzdem bleiben gerade hier einige Zweifel. In Verbindung mit Homburg ist nämlich auch die sogenannte "Restitutionsurkunde" König Ottos III. für Würzburg von 993 - sie ist heuer genau ein Jahrtausend alt - zu beachten, da sie neben den Klosterorten Neustadt am Main, Amorbach, Schlüchtern und Murrhardt auch Homburg am Main nennt[45]. Ist auch die Existenz eines Klosters dort bisher nicht nachweisbar, so kann doch ein Zusammenhang mit Bischof Burkhard und dessen Klostergründungsvorhaben nicht ausgeschlossen werden. Vielleicht hatte aber auch die Abtei Neustadt eine Propstei in Homburg errichtet[46].

 

Fassen wir abschließend zusammen: Solange nicht ein zweites Mi­chelstadt nachgewiesen werden kann, das eine Gleichsetzung mit dem in der jüngeren Burkhardsvita genannten "Michilstat" erlaubt[47], be­steht kein zwingender Anlaß, von einer Identifizierung mit Michel­stadt im Odenwald abzurücken. Unabhängig davon können sogar mehrere Fakten dahingehend gedeutet werden, daß der erste Würzburger Bischof Burkhard mit dem gleichen Königsgut Michelstadt beschenkt worden ist wie Jahr­zehnte später der Kaisergünstling Einhard[48]. Die Möglichkeit, die spärliche (und teilweise fragwürdige) Überlieferung der Burkhardsvita anders zu interpretieren, wird - wohl auch künftig - letzte Zweifel bestehen lassen.

 

 


  
Anmerkungen


 [1]G. Simon, Die Geschichte der Dynasten und Grafen zu Erbach und ihres Landes, Frankfurt a. M. 1858, S. 49; Elisabeth Kleberger, Territorialgeschichte des hinteren Odenwaldes (Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte, Bd. 19), Darmstadt und Marburg 1958, S. 24 f.; Walter Albach, Hausmeier Karlmann und die erste Nennung Michelstadts, in: Der Odenwald, 1970, Heft 2, S. 42 - 47. Siehe hierzu auch den zweiten Teil des vorliegenden Aufsatzes.

 [2]Codex Laureshamensis (CL) 19, ed. Karl Glöckner, Bd. 1, Darmstadt 1929 (Ndr. 1975), S. 299 - 300; Kleberger (wie Anm. 1), S. 21 ff.

 [3]CL 20, Bd. 1, S. 301 f.; Kleberger (ebd.).

 [4]MGH SS I 1826 (Ndr. 1976), S. 94, Eintrag zu 821.

 [5]Johannes Sommer, Grabungsbefund in der Michelstädter Stadtkirche, in: Der Odenwald, 1968, Heft 1, S. 3 - 10. Siehe auch Anm. 6.

 [6]Siehe Johannes Sommer, Der Einhardsbau von 821 in der Stadtkirche, in: Mi­chelstadt - 500 Jahre Stadtkirche (Rathaus- und Museumsreihe, Michelstadt, Bd. 9), Michelstadt 1991, S. 19 - 21.

 [7]Kleberger (wie Anm. 1), S. 24 f.

 [8]Barbara Demandt, Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains (Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landes­kunde, Bd. 29), Marburg 1966, S. 56 f.

 [9]Eckhard Freise, Zum Geburtsjahr des Hrabanus Maurus, in: R. Kottje u. H. Zim­mermann (Hrsgg.), Hrabanus Maurus - Lehrer, Abt und Bischof (= Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Abhandlungen der geistes- und sozialwissen­schaftlichen Klasse, Einzelveröffentlichung 4), Mainz 1982, S. 18 - 74, dies S. 32 f., Anm. 59. Den Hinweis auf Freises Arbeit verdanke ich Herrn Dr. Her­mann Schefers, Worms.

[10]Vgl. O. Ellger, Die Michaelskirche zu Fulda als Zeugnis der Totensorge (55. Veröff. des Fuldaer Geschichtsvereins), 1989, S. 4.

[11]Sommer (wie Anm. 5, S. 9) stützt seine zeitliche Einordnung der 1967 unter­suchten Fundamentreste auf den Fund von "Scherben, gegen deren Datierung in das 9. Jahrhundert keine Bedenken zu erheben sein dürften". Auch wenn Sommer in seinem jüngeren Aufsatz (wie Anm. 6, S. 21) schon wesentlich bestimmter meint, es "dürfte sicher sein, daß es sich um Bestandteile der 821 geweihten Marienkirche handelt", so kann dies nicht über die recht vage archäologische Basis seiner These hinwegtäuschen, die offensichtlich zu sehr an der (irrtümlich auf Michelstadt bezogenen) fuldischen Überlieferung orientiert ist. Da es, wie unten noch deutlich wird, sehr unwahrscheinlich ist, daß es Einhard war, der die Holzkirche von 815 durch einen Steinbau hat ersetzen lassen, wird man diese Bautätigkeit dem Kloster Lorsch als Besitznachfolger Einhards zuschreiben müssen. Vielleicht besteht ein Zusammenhang mit dem von Abt Gerbodo um 960 veranlaßten Bau eines steinernen Gebäudes in Michelstadt, von dem der Lorscher Codex (Nr. 70, Bd. 1, S. 353, Z. 9 f.) berichtet.

[12]Vgl. Josef Fleckenstein, Einhard, seine Gründung und sein Vermächtnis in Se­ligenstadt, in: K. Hauck (Hrsg.), Das Einhardkreuz (Abhandlungen der Akade­mie der Wissenschaften in Göttingen, Phil Hist. Klasse, 3. Folge, Nr. 87), S. 96 - 121, dies S. 113, 115. Auch die Vollendung der Steinbacher Basilika könnte noch in diesen Zeitraum fallen; siehe hierzu Anm. 17.

[13]Ebd., S. 113 (dort weitere Literaturangaben zu dieser Basilika).

[14]Historia Translationis Sanctorum Christi Marcellini et Petri; deutsche Über­setzung von Karl Esselborn, Die Übertragung und Wunder der Heiligen Marcelli­nus und Petrus, Darmstadt 1925, S. 4. Siehe auch Anm. 17.

[15]Fleckenstein (wie Anm. 9), S. 107.

[16]Siehe Anm. 3

[17]Das Anwachsen von 40 Leibeigenen auf 100 innerhalb von 4 Jahren (siehe Anm. 2 und 3) dürfte in Einhards Basilika-Bau ihre Erklärung haben, für den eine größere Anzahl von Arbeitskräften erforderlich war. Im Zusammenhang damit wird auch die durch Einhard veranlaßte Errichtung von Häusern und Hütten ste­hen (siehe zu Anm. 14). Die notwendige Schaffung von (dauerhaften) Wohnungen für diese Leute dürfte allein schon geraume Zeit in Anspruch genommen haben, so daß mit dem Bau der Steinbacher Basilika selbst wohl erst einige Jahre nach 815 begonnen worden ist. Zur Datierung der Vollendung der Kirche in den Zeitraum 823 - 839, wie sie dendrochronologische Untersuchungsergebnisse erkennen lassen, siehe Ernst Hollmann, Mitteleuropäische Eichenchronologie (Trierer Grabungen und Forschungen, Bd.XI), Mainz 1980, S. 121 - 123.

[18]Zu dieser Urkunde vgl. auch Christian Beutler, Einhard in Michelstadt, in: Michelstadt - vom Mittelalter zur Neuzeit (Rathaus und Museumsreihe, Michel­stadt, Bd. 6), Michelstadt 1986, S. 35 - 48, dies S. 38 ff. Was die auch von Beutler auf Michelstadt bezogene fuldische Überlieferung zu 821 betrifft, so spricht auch er von einem Neubau der 815 genannten Holzkirche (S. 40), bringt diesen jedoch nicht ausdrücklich mit Einhard in Verbindung, dem er nur die drei bekannten Kirchenbauten zuweist (S. 48, Anm. 16).

[19]Siehe hierzu Anm. 17.

[20]Siehe die unter Anm. 1 angegebene Literatur.

[21]Joachim Schmitt, Übersetzung der Vita sancti Burkardi Episcopi Wirziburgen­sis, in: Würzburger Diözesangeschichtsblätter (=WDGBl), Bd. 48, Würzburg 1986, S. 19 - 89, dies S. 55 f.

[22]Ebd., S. 74 f.

[23]Heinrich Wagner, Zur Frühgeschichte des Bistums Würzburg (II), in: WDGBl (wie Anm. 21), S. 111 - 131, dies S. 112.

[24]Kleberger (wie Anm. 1), S. 24.

[25]Wolfram Becher, Michelstadt und Erbach, Amorbach 1980, S. 20.

[26]Siehe Anm. 21 f.

[27]Johann A. Kraus, Urkundliche Nachrichten über das Kloster Einsiedel im Spes­sart, in: Archiv des Historischen Vereins für Unterfranken und Aschaffenburg (=AU), Bd. 9, Würzburg 1848, Heft 3, S. 122 - 128. Vgl. auch Kleberger (wie Anm. 1), S. 24, Anm. 92.

[28]Ders., Michelstadt im Odenwalde und Michilumstatt im Spessart, in: AU, Bd. 17, Würzburg 1864, Heft 3, S. 140- 154, dies S. 140, 142. Offensichtlich ist Kraus erst nach Veröffentlichung seines ersten Aufsatzes (siehe Anm. 27) bewußt geworden, daß die gesuchte Siedlung nicht Michelbach, wie er dort noch annahm, sondern Michelstadt heißt. In seinem zweiten Aufsatz hierüber (siehe oben) erweitert er deshalb den Flurnamen "Michelsgarten" um die Version "Michelstatt". Um sicher zu sein, daß es sich bei letzterer um eine Erfindung von Kraus handelt, ersuchte ich das Forstamt Lohr am Main um Auskunft. Wie mir Forstamtsleiter Heinz Staudinger mit Schreiben vom 28.09.92 freundlicherweise mitteilte, ist auf dem ältesten Katasterblatt von 1856 bei Einsiedel ein "Michelsgarten", jedoch kein "Michelstatt" eingetragen. Siehe auch Anm. 29.

[29]Siehe hierzu J. Schnetz, Ältere Geschichte von Neustadt am Main, Teil I (ein Teil II erschien nicht), Würzburg 1914, S. 19 ff.

[30]Wagner (wie Anm. 23), S. 128 f.

[31]Ebd., S. 130; siehe auch Anm. 47.

[32]Kraus (wie Anm. 28), S. 142 ff.

[33]Auf die Frage, ob Karlmann "Michilstat" 741 oder 742 (oder zu einem noch spä­teren Zeitpunkt) an Bischof Burkhard geschenkt hat, sei hier nicht näher ein­gegangen. Als offizielles Gründungsdatum des Bistums Würzburg gilt 742, wie die 1992 begangenen Feierlichkeiten zum 1250jährigen Bestehen erkennen las­sen. Wagner (wie Anm. 23), S. 114 f., spricht sich für 741 als Weihedatum Burkhards aus. Siehe hierzu auch Albach (wie Anm. 1), S. 44 sowie Erik Soder von Güldenstubbe, Christliche Mission und kirchliche Organisation, in: Peter Kolb und Ernst-Günter Krenig (Hrsgg.), Unterfränkische Chronik, Bd. 1, Würz­burg 1989, S. 91 - 144, dies S. 114 - 116 (dort weitere Literaturhinweise). Bezüglich der Lokalisierung des fraglichen "Michilstat" legt sich Gülden­stubbe nicht fest (S.  120), hält jedoch - mit Hinweis auf Wagners These (wie Anm. 30) - dessen Lage bei Homburg am Main für möglich (S. 116).

[34]Falk Krebs, Zur Baugeschichte der Stadtkirche Michelstadt, in: Michelstadt - 500 Jahre Stadtkirche (wie Anm. 6), S. 31 - 57; dies S. 48.

[35]Becher (wie Anm. 25), S. 28 f.

[36]Auch für Groß-Umstadt (siehe bei Anm. 41) ist das Kilianspatrozinium erst Ende des Mittelalters belegt, obwohl es zweifellos ins frühe Mittelalter zu­rückgeht. Siehe hierzu Demandt (wie Anm. 8), S. 40.

[37]CL 141; Kleberger (wie Anm. 1), S. 48 f. mit Nachtrag S. XVI.

[38]Wagner (wie Anm. 23), S. 128 ff.

[39]Wagner (ebd.), S. 130, sieht sich bei seiner Vermutung, Michilstat sei zusam­men mit Homburg an das Kloster Neustadt am Main gekommen, mit einigen Wider­sprüchen konfrontiert. Plausibel ist seine Schlußfolgerung, daß Michilstat wohl nicht - wie die Burkhardsvita als tendenziöse Würzburger Überlieferung glaubhaft machen will - von Burkhard an sein Bistum weitergegeben worden ist, denn dann ließe sich nicht erklären, mit welchem Recht er am Ende seines Le­bens ein Kloster hätte dort errichten wollen. Die rechtlichen Umstände, auf die Wagner eingeht, stellen sich unkomplizierter dar, wenn man Michelstat mit Michelstadt im Odenwald gleichsetzt, das 815 wieder in Königshand (Schenkung an Einhard) erscheint. Bezeichnenderweise hatte dieses eine andere Besitzge­schichte wie Obermühlheim (Seligenstadt) hinter sich, was daran erkennbar ist, daß letzteres zuvor Eigentum eines Grafen Drogo war (CL 19). Zu dessen Identität und den möglichen Hintergründen seiner Enteignung vgl. Wolfgang Hartmann, Kloster Machesbach und frühmittelalterlicher Adel im Bachgau, in: Aschaffenburger Jahrbuch, Bd. 16 (erscheint Ende 1993). Vielleicht klärt sich aus dieser Sicht auch der auffällige Sachverhalt, daß Einhard Michelstadt - im Gegensatz zu Seligenstadt - an die Reichsabtei Lorsch übertragen hat und dies noch zu einem Zeitpunkt, wo sein Hauptinteresse der Odenwaldsiedlung galt. Man möchte meinen, daß Einhard auf diese Weise sein Besitztum gegenüber Würzburger Ansprüchen auf Burkhards Erbe abgesichert hat; vielleicht war es auch eine Vorsorge gegen Erbansprüche von Verwandten.

[40]Vgl. hierzu Kleberger (wie Anm. 1), S. 17; Demandt (wie Anm. 8), S. 40 ff.

[41]Heinrich Wagner, Die Äbte von Amorbach im Mittelalter, in: WDGBBl, Bd. 54, S. 69 -107, dies S. 71 - 77. Vgl. hierzu auch Hartmann (wie Anm. 39).

[42]Demandt (wie Anm. 8), S. 40. Siehe auch Anm. 36.

[43]von Güldenstubbe (wie Anm. 33), S. 117. Zur Wahrscheinlichkeit, daß die Schenkung der Zehntrechte von 26 genannten Fiskalgütern, darunter (Groß‑)Umstadt, nicht, wie bisher angenommen, durch Karlmann, sondern erst durch Pippin erfolgt ist, siehe Wagner (wie Anm. 23), S. 127.

[44]Alfred Wendehorst, Burghard - Bischof von Würzburg, in: WDGBl (wie Anm. 21), S. 91 - 95, dies S. 94 (mit falscher Jahresangabe).

[45]MG DD O III Nr. 140; vgl. hierzu auch Wagner (wie Anm. 23), S. 129 f und W. Störmer, Das Karolingerreich, in: Unterfränkische Chronik (wie Anm. 33), S. 153 - 204, dies S. 173 f.

[46]Störmer (ebd.), S. 174

[47]Es sind nicht nur die engen besitzgeschichtlichen Verbindungen Homburgs mit dem nur wenige Kilometer weiter mainaufwärts gelegenen Kloster Neustadt, die dessen Frühgeschichte für unsere Fragestellung interessant erscheinen lassen. Es ist auch der Umstand, daß es Burkhards Amtsnachfolger Bischof Megingoz (aus dem Geschlecht der Mattonen) war, der diese Abtei - höchstwahrscheinlich mit großzügiger Unterstützung durch Karl den Großen (und einen gewissen Hatto) - gegründet hat. Der Klosterüberlieferung zufolge hat König Karl dem Kloster auch den Ort (locum) Homburg samt allem Erwerb (questu) des Bischofs Burkhard übertragen, wobei erwähnt wird, daß der Besitz dem König laut Schöffenspruch nach Erbrecht zugestanden habe. In diesem Erwerb Burkhards, der zu Homburg gezogen wurde, sieht Wagner (wie Anm. 23), S. 130, das nur in der jüngeren Burkhardsvita genannte "Michilstat". Es in der unmittelbaren Umgebung von Homburg zu suchen, ist jedoch, wie wir schon oben festgestellt haben, nicht zwingend, zumal es dort auch an konkreteren Anhaltspunkten fehlt. Solche wären dagegen in der unmittelbaren Nachbarschaft des Klosters Neustadt gegeben. Dort gibt es eine alte, bisher rätselhafte Siedlungsstätte, die "Michilstat" geheißen haben könnte. Sie liegt auf einer als "Michelsberg" überlieferten Anhöhe mit einer St. Michaelskirche. Das große Interesse der historischen Forschung an dieser Örtlichkeit hat mehrere Gründe: Der älteste Vorgängerbau der Michaelskirche geht ins Frühmittelalter zurück. Der Michelsberg ist von einem Ringwall umgeben, dessen Schutzfunktion sich nicht nur auf Kirche und Friedhof beschränkte, wie die Ausdehnung des Areals und archäologische Funde (trotz ihres wenig aussagekräftigen Charakters) erkennen lassen. Einer Erklärung als reine Verteidigungsanlage widerspricht die frühe Existenz einer (relativ großen) Kirche und deren alte Pfarrechte. Die Palette der möglichen Deutungsversuche ist demzufolge recht breit: siehe hierzu L. Wamser, Erwägungen zur Topographie und Geschichte des Klosters Neustadt am Main und seiner Mark, in: J. Lenssen und L. Wamser /Hrsgg.), 1250 Jahre Bistum Würzburg, Würzburg 1992, S. 163 - 208, dies S. 165 ff. Die mehrfachen Gründe, die hier an Burkhards "Michilstat" denken lassen, liegen auf der Hand. Was jedoch hindert, eine solche These zu vertreten, ist weniger der fehlende Namensnachweis als vielmehr die frühe, zum Teil ebenfalls auf der jüngeren Burkhardsvita beruhende Neustadter Klosterüberlieferung (siehe hierzu Wamser, ebd., S. 165 - 171; dort weitere Literaturhinweise), die dafür - wenn man sie nicht in Frage stellt - keine überzeugende Basis bietet.

[48]Siehe hierzu auch Anm. 39.

 

 

Literatur

 Wolfgang Hartmann: Zu den frühen urkundlichen Erwähnungen von Michelstadt im Odenwald.

In: Der Odenwald 40 (1993), S. 47-57.