Brauchtum


Sankt Urban – Heiliger Helfer für Winzer, Wein und Wetter

Unbekanntes, Erstaunliches und Ungewöhnliches


 Heiliger Urban

 

Der 25. Mai, der Urbanitag, ist seit langen Zeiten in allen Weinbaugebieten ein wichtiger Feiertag. Sankt Urban gilt als der Weinheilige schlechthin, denn er soll als Wetterheiliger gegen Frost, Hagel, Blitz und alle Unwetter vor allem die Reben und die Weinberge schützen und zählt als letzter Eisheiliger. Im alten Heiligenkalender begann der Sommer mit St. Urban am 25. Mai. Zu diesem Zeitpunkt muss die Frühjahrsarbeit in den Weinbergen abgeschlossen sein, die Vegetationszeit beginnt. Schon im Sachsenspiegel dem bekannten Rechtsbuch des Mittelalters ( um 1222 ), ist aufgeführt: „An Sanct Urban sind Weingarten- und  Baumgartenzehnt verdient“, das hieß: der Ertrag gehört dem, der bis dahin den Wingert bestellt hatte – ein wichtiger Rechtstermin für alle Häcker und Landwirte! In früheren Zeiten empfingen die Wengertsknechte am Urbanustag ihren Lohn.
Wie sehr St. Urban verehrt wurde und wird, sieht man noch heute in vielen Weinorten, auch dort wo heute längst  kein Wein mehr angebaut wird. Zahlreiche Bildstöcke im Ortsbereich, in der Flur und vor allem in den Weinbergen zeugen davon, vielerorts ziehen die Gläubigen am Sonntag vor oder nach Urbani, an Christi Himmelfahrt, an Pfingsten, oder am Sonntag danach  in einer feierlichen Prozession mit Musik zum Hl. Urbanus oder tragen diesen mit sich und mancherorts bestehen noch die seit Jahrhunderten bestehenden Urbanusbruderschaften. Da bei den Prozessionen immer sehr viele mitwallten, sah  der Pfarrer dies als gute Gelegenheit an, um saftige Predigten an seine Schäflein zu richten. So war z. B. in Bürgstadt am Urbanusbildstock extra eine Kanzel auf einer Gartenmauer errichtet von der der Pfarrer seine Predigt herabschmetterte.
Die früheste Erwähnung eines Urbanifestes findet sich in einer päpstlichen Bulle von 1251 für Neuweiler im Elsass. In Nürnberg gab es bis ins 17. Jahrhundert ein „Urbanusreiten“
Urbani war ein wichtiger Lostag in der Landwirtschaft. Davon zeugen viele Wettersprüche: „St. Urban hell und rein, gibt viel Korn und Wein“
„Die Witterung an St. Urban zeigt des Herbstes Wetter an“
„Wie`sich das  Wetter auf St. Urban verhält, so ist`s noch 20 Tag bestellt“
„Ist Sonnenschein am Urbanstag, gedeiht der Wein nach alter Sag`“
„Pangratz und Urban ohne Regen, bringen großen Erntesegen“
„Auf St. Orben ist das Getreide weder geraten noch verdorben“ ( Aussaattermin)
Gerne wurde Gerste, Buchweizen, Hirse, Flachs und Hanf ausgesät  und man setzte die vorgezogenen Kürbispflänzchen ins Feld mit dem Spruch: „St. Urban bringt en grouße Turban“.

UNBEKANNTES
Dass  Kilian  der Winzer Schutzherr sei, findet sich nur im Frankenliedtext von Victor von Scheffel und seitdem steht in manchen fränkischen Weinbergen ein weiterer Heiliger im Bischofsornat
 
Wer nun war dieser viel verehrte Heilige? Es gibt deren gleich drei, die in einer Person verehrt werden und das bemerkt der aufmerksame Betrachter der Urbanusabbildungen auch : Urban I., Papst von 221 – 230, leicht zu erkennen an der Tiara, dem Papstornat und dem Papststab. Ein Buch mit einem Weinträubel hält er in der Hand oder einen Weinbecher. Er wurde unter Kaiser Alexander Severus mit Bleikugeln gegeißelt und anschließend enthauptet. Die Bleikugeln als Attribut deutete man in Trauben um….Allerdings soll er verfügt haben, dass für den  Wein bei der Hl. Messe nur Gold- oder Silberkelche verwendet werden sollen. Seit 849 sind seine Reliquien im Kloster Erstein im Elsass, von wo aus sich seine Verehrung im ganzen süddeutschen Raum ausbreitete.
Urban, sechster Bischof von Langres (Frankreich) lebte im 5. Jahrhundert. Er ist der eigentliche Weinpatron, denn er versteckte sich bei der Verfolgung hinter einem Weinstock und blieb so unentdeckt. Er trägt die Bischofsmitra und hat oft einen ganzen Weinstock neben sich.
Urban, aus dem mittleren Neckarraum, war ein Schüler von Gallus und lebte im 7. Jhd. Er predigte im Raum Cannstadt, brachte den Weinbau dorthin und errichtete Kreuze an den Aufgängen in die Weinberge.
 
Alle drei Urbani verehrt man heute  am 25. Mai und zwar soll Urbanus Winzer, Küfer, Weinberge und Wein schützen, soll gegen Frost, Gewitter, Hagel und Blitz helfen und man höre und staune, auch gegen Trunkenheit! Nach ihm ist sogar eine „Krankheit“ benannt, die „Urbaniplag“, so nannte man das Podagra, die Gicht. Übermäßigen Weingenuß sah man als eine Ursache dafür an, neben einem cholerischen Gemüt und einem ausschweifenden Liebesleben. So prägte sich der Spruch: “ Bacchus der Vater (Wein), Venus die Mutter (Liebe), Ira die Hebamm (Zorn), die zeugen das Podagram“.
Weitere Namen waren St. Orben, Orwes und Urbe.
 
Kurioses
Urbanus als Statue oder Bildnis trug man meist bei der Prozession mit und nahm diese danach auch mit zum Umtrunk ins Gasthaus, bzw. standen in vielen Gasthäusern in Weinregionen Urbanusstatuen.. Bei gutem Wetter trank man dem Heiligen eifrig zu und lobte ihn, mancherorts gar begoß man ihn mit bestem Wein. War jedoch  schlechtes Wetter geschah dem Armen Übles: Er wurde in einen Wassertrog oder in den Bach getaucht, je nach örtlicher Gegebenheit. Nahm man ihn mit ins Gasthaus, erhielt er Schmähreden und wurde mit Wasser beschüttet…..Zahlreiche überlieferte Sprüche beweisen dies:
 
„Da Urban sauf Wasser, wir kriegen auch nichts anderes“
 
„Scheint am Urbanitag die Sonne, gerät der Wein zur wahren Wonne
Regnet`s aber nimmt er Schaden, welch ein Jammer Euer Gnaden“
 
„Wenn Urban kein gut`Wetter geit, wird er in die Pfütz`geleit“
 
„St. Urban lieber Herre, mach die Trauben schwere,
bist du aber nass, bringt es nichts ins Faß, musst du selbst ins Naß`“
 
Ganz Schlimmes geschah der Urbanusstatue auf der Markelsheimer Brücke 1926. Nach nur zehnminütigem Hagelschlag waren alle Reben zerfetzt. Anderntags fehlte dem steinernen Urbanus ein Arm. Bis heute rätselt man ob es der Zorn eines Winzers oder der Zahn der Zeit gewesen ist….
Haben vielleicht deshalb die Bürgstädter und Eichenbühler ihre kostbaren Urbanusstatuen ins Museum, bzw. ins Rathaus geholt und Nachbildungen aufgestellt
Urbanusprozessionen gab es einst zahlreich im Landkreis, sie gingen zum Teil als Flurprozession mit in die Bittwoche ein.?
In Bürgstadt und Eichenbühl wallt man am Bittsonntag zum Urbanusbildstock, wobei in Bürgstadt der Pabst Urbanus mitgetragen wird, im –Bildstock aber der Bischof Urban steht und im Museum wiederum, die kostbare, über 300 Jhr. alte  Statue des Papstes Urban …
Auch in Klingenberg verehrt man beide: Am  Pfingstmontag wallen alle zum Papst Urban am Hohberg, während am Schlossberg Bischof Urban wacht. In den Kirchen in Klingenberg und Röllfeld kann man wieder den Papst Urban anrufen….
Sicher ist sicher, und einer wird schon helfen.
Sonst muss St. Urban mit den Worten Ludwig Uhlands für sich selbst bitten:
 
„Und wenn es euch wie mir ergeht, so betet, dass der Wein gerät,
ihr Trinker insgemein!
O heil`ger Urban, schaff uns Trost, gib heuer uns viel edlen Most
Dass wir dich benedeien!“
 

Text und Bild:

Hedwig Eckert