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Die Obernburger Schliffglasschale
220 n. Chr. versuchten die germanischen Alamannen/Alemannen,
aus dem heutigen Thüringen kommend, zur römischen Maingrenze
vorzustoßen, wurden aber von Kaiser Caracalla besiegt. Bei einem zweiten
Angriff 259/60 schafften sie die Eroberung des heute »nasser Limes«
genannten Mainabschnitts, der über knapp zweihundert Jahre hindurch ein
Teilstück der Ortsgrenze des Imperium Romanum bildete. Als Jahrzehnte
später die aus dem heutigen Belgien und Holland als Eroberer
aufgebrochenen Franken Gallien und auch die Alamannen/Alemannen
besiegten und diese nach Südwestdeutschland abgedrängt hatten, gründeten
die Franken auf der einst germanischen Mainseite neue, befestigte
Dörfer. So entstand gegenüber von Niedernberg Ruchelnheim, der
Vorläuferort von Sulzbach, und gegenüber von Obernburg Mainhausen, das
im 30-jährigen Krieg gleich wie Ruchelnheim zur Wüstung wurde und auf
dem in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts das Glanzstoffwerk
entstand.
Nahezu alle germanischen Stämme, die südwärts gezogen
waren, hatten die seit dem 4. Jahrhundert nach Christus weit verbreitete
Lehre des 336 in Alexandrien verstorbenen Arius angenommen. Dieser
verneinte die Wesensgleichheit Christi mit seinem Vater. Auf dem Konzil
von Nicäa 325 n. Chr. und Konstantinopel 381 wurde dessen Lehre verdammt
und die Wesensgleichheit des Vaters mit seinem Sohn als Glaubenssatz
festgelegt. Da die Franken als letzter germanischer Stamm mit dem
Christentum in Berührung gekommen waren und sich ihr König Chlodwig I.
aus dem Geschlecht der Merowinger an einem Weihnachtstag zwischen 493
und 500 zusammen mit etwa 3.000 Franken vom Bischof von Reims taufen
ließ, kommt es, dass das Heilige Römische Reich deutscher Nation
katholisch wurde. Die Franken bzw. Merowinger unterwarfen die übrigen
germanischen Stämme und zwangen diese zum katholischen Glauben.
Chlodwigs Übertritt zum römisch-katholischen Christentum sicherte in der
Folgezeit dem fränkischen Staatswesen in der Zusammenarbeit mit dem
Episkopat einen mächtigen Bundesgenossen. Damit war der Grundstein für
die fränkisch-deutsche »Reichskirche« des Mittelalters gelegt worden,
die in der Zeit der Aufklärung vor 250 Jahren ihrem Ende entgegenlebte.
Die 1996 in Obernburg in der Römerstraße 31 gefundenen
Fragmente einer in Rom hergestellten Schliffglasschale
mit den Darstellungen von Christus Salvator, flankiert von den
Apostelfürsten Petrus und Paulus, wird in die Zeit um 360-400 n. Chr.
datiert (J. Deckers in »Main-Echo« vom 30. 3. 1997 und Leo Hefner in
»Spessart« 2002/06). Zusammen mit einem in
Byzanz gefertigten bronzenen Fingerring mit der
Eingravierung Jesus, der möglicherweise von einem
Priester getragen wurde und den Wilhelm Conrady Ende des 19.
Jahrhunderts in Obernburg bei seiner Ausgrabung
des Kohortenkastells gefunden hatte, haben wir zwei eindeutige Zeugnisse
für eine bereits aus der römischen Tradition heraus entstandene
Christengemeinde im Untermaingebiet

Literatur:
Leo Hefner
In: SPESSART/Juli 2005
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