|

Der Nürnberger
Albrecht Dürer (1471-1528; hier Selbstportrait von 1498, Prado
Madrid) war ein Maler, Grafiker, Zeichner und Kunstschriftsteller von
europäischem Rang. Am 12. Juni 1520 begab er sich mit seiner Frau Agnes
auf eine Reise, die über Bamberg, Frankfurt, Köln nach Antwerpen und
Brüssel führte. Dort wollte sich Dürer seine von Kaiser Maximilian I.
gewährte Staatsrente von dessen Nachfolger Karl V. bestätigen lassen,
was auch gelang.
Dürer legte die erste
Etappe der Reise von Bamberg bis Köln auf Main und Rhein zurück. Er
berichtet von vielen Main-Zollstellen und weiteren Orten, die zu
passieren waren, darunter mehrere am heute bayerischen Untermain.
Auszug aus Dürers
Reisebericht:
„Von Würzburg fuhren
wir gen Erlaprunn, da lagen wir über Nacht und verzehrten 22 Pfennige.
Von dannen fuhren wir an Rezbach und Zellingen vorbei und kamen gen
Carstatt [Karlstadt], do wies ich mein Zollbrief, do ließ man mich
fahren. Von dannen fuhren wir gen Myna [Gemünden], da aßen wir zu
Morgens und verzehrten 22 Pfennig. Auch wies ich mein Zollbrief, und sie
ließen mich fahren. Darnach fuhren wir gen Hochstätt [Hochstetten], wies
mein Zollbrief, do ließen sie mich fahren. Und kamen darnach gen Lohr,
do wies ich auch mein Zollbrief, do ließen sie mich fahren. Darnach
kamen wir gen Neuenstadt [Neustadt] und wiesen unsern Brief, do ließen
sie uns fahren. Auch hab ich 10 Pfennig ausgegeben für Wein und Krebs.
Darnach kamen wir gen Rotenfelß, do wies ich mein Zollbrief, also ließen
sie mich frei, und da lagen wir über Nacht und verzehrten 20 Pfennig.
Und am Mittwoch [18.
Juli 1520] frühe fuhren wir weg und an St. Ecarig [höchstwahrscheinlich
das ehemalige Kloster Mattenstatt gegenüber von Hafenlohr; St Eucharius
war neben St. Blasius der Schutzpatron dieses Klosters] vorbei, und
kamen gen Heudenfeldt [Marktheidenfeld], von dannen gen Trieffenstain.
Darnach kamen wir gen Wertheim und zeiget mein Zollbrief, do ließ man
mich ziehen und ich verzehret 57 Pfennig. Darnach fuhren wir gen Prozel
[Stadtprozelten], do wies ich mein Zollbrief, do ließ man mich
fahren. Darnach fuhren wir an Freudenwerg [Freudenberg] vorbei, do wies
ich aber mein Zollbrief, do ließ man mich fahren. Darnach kamen wir gen
Miltenberg, do blieben wir über Nacht und verzehrten ... Auch
wies ich mein Zollbrief, do ließ man mich fahren, und ich verzehret 61
Pfennig. Darnach [19. Juli 1520] kamen wir gen Klingenberg und
wies mein Zollbrief, do ließ man mich fahren. Und kamen an Werdt [Wörth]
vorbei, von dannen an Obernburg vorbei, und von dannen gen
Oschenpurg [Aschaffenburg]; do wies ich mein Zollbrief, do ließ
man mich fahren, und ich verzehret do 52 Pfennig. Von dann fuhren wir
gen Selgenstadt, von dannen gen Steinheim, do wies ich mein Zollbrief,
do ließ man mich fahren. Und wir lagen bei Johansen über Nacht, der
sperret uns die Stadt auf und war uns gar freundlich, da gab ich aus 16
Pfennig. Darnach kamen wir gen Frankfurth.“
Literatur
Wilhelm Baumgartner:
Auf den Spuren einer Reise Dürers an den Main, den Rhein und nach den
Niederlanden.
In: Das Echo, 17. Mai 1923.
|