Rätsel der Sandsteinplatten am Neustädter Hof

Steinplatte vom Neustädter HofZwei Sandsteinplatten, die am Neustädter Hof gefunden wurden, geben Rätsel auf. Am ehesten ist noch jene zu deuten, die eine flache Randbegrenzung und einen seitlich hinaus ragenden Auslauf besitzt. Offenbar war sie dafür geschaffen, Wasser zu sammeln und irgendwohin abzuleiten. Allerdings unterscheidet sie sich von den in früheren Küchen gebräuchlichen „Wassersteinen“ mit meist tiefem Spülbecken und verschließbarer Bodenöffnung. Diente die Platte als „Ablaufstein“ für gespültes Geschirr oder erfüllte sie eine andere Funktion?

Zum Vorschein kam der Sandstein beim Pflügen auf dem Gelände zwischen dem Hof und der unweit davon erhaltenen Ruine einer kleinen Wasserburg des frühen 15. Jahrhunderts. Ist dieser 62 cm breite und doppelt so lange „Rinnstein“ der Burg zuzuordnen oder stammt er von einer früheren Hofstelle? Bevor der Neustädter Hof zu einem Besitzkomplex zusammen schmolz, bestand er nämlich aus mehreren Hubengütern. Diese kleine Siedlung mit einst selbständiger Gemarkung ist urkundlich erstmals 1113 als „Nuwenstat“ belegt.

Steinplatte mit OrnamentGanz andere Fragen wirft der zweite jetzt entdeckte Stein auf. Seine Oberfläche zeigt zwischen zwei ca. 9 cm breiten Randleisten eine kreisförmige Scheibe. Von ihr gehen vier Bänder aus. Zwei verlaufen geradlinig (nach „unten“ ?), die beiden anderen gekrümmt in die andere Richtung und schließen hier – so viel ist noch erkennbar – wahrscheinlich an eine zweite Scheibe an. Der an beiden Schmalseiten abgebrochene Sandstein ist dort 68 bzw. 60 cm breit. Seine Länge beträgt ca. 82 cm, seine Stärke differiert zwischen 15 und 12 cm. Da die Rückseite nur grob behauen ist, war der Stein sicher einst eingemauert. Seine Reliefdarstellung ist somit als Teil einer rätselhaften Bau-Ornamentik zu bewerten. Woher das Bruchstück genau stammt, ist nicht bekannt, da es auf einem Lesesteinhaufen hinter dem Hof entdeckt worden ist.

Bezüglich seiner Herkunft kommen mehrere Möglichkeiten in Betracht. Der auf historischen Karten als „Schloss“ bezeichnete Neustädter Hof war einst befestigt und diente bis ins 19. Jahrhundert teilweise als Wohnsitz niederadeliger Familien. Schmückte der Ornamentstein früher ein Gebäude dieses Edelsitzes?

Eine Wohnsitz des Adels, genauer gesagt der „Bache von Neustatt“, war auch die nahe Wasserburg. 1863 hat man ihre damals noch stattlichen Reste gesprengt und einen dort vorgefundenen Wappenstein nach Obernburg gebracht. War der Reliefstein ebenfalls dort eingemauert, wurde er durch die Sprengung zertrümmert?

Im gleichen Jahr hat man auch die ehemalige Kirche hinter dem Neustädter Hof abgebrochen. In der Überlieferung wird sie als Mutterkirche („Matrix“) der umliegenden Orte bezeichnet. Stammt der mittelalterlich anmutende Ornamentstein von diesem alten Gotteshaus?

Es könnte nicht nur für die bewegte Geschichte des Neustädter Hofes sehr interessant sein zu erfahren, welches Motiv sich hinter der rätselhaften Ornamentik verbirgt. Vielleicht gelingt es noch dieses Geheimnis zu lösen und damit auch die frühere Bestimmung und Herkunft des Reliefsteines zu klären.


Wolfgang Hartmann